Die Ballade von der Ritterlichkeitvon Marius Henrik Hoose
Ich hörte einst davon berichten,
Und werde itzto d’rüber dichten,
Was einst drei Bauernsöhne wagten,
Helmbrechts, jene Unverzagten.
So seien sie namentlich zu nennen,
Die Brüder wird niemand mehr kennen,
Da waren der Theoderich, der Friederich,
Und der älteste hieß Diederich.
Täglich ward‘ der Weizen und die Gerst‘ zu schlagen,
Eintönig‘ Kräftespiel der Klagen,
Waren wie Rudersklaven auf dem Schiff,
Was ihr Fürst nur nicht begriff.
Eines Tages ritt er ihnen entgegen,
Sah, was sie zu tun da pflegten,
Und lachte lauthals, herzlich dumm:
„Was haut ihr denn das Korn so um?“
Die Antwort wollten sie bekunden,
Doch der Fürst ward schon verschwunden.
Unwissend, dass jene ihn ernähren,
Machte er heim, wer konnt’s verwehren?
Und war so mager auch sein Ross,
So war sein Heim ein stattlich‘ Schloss,
Das Bauern selten zu Gesicht bekamen,
Wenn, dann nur im Fensterrahmen.
Doch da war dieser eine Tag …
„Seht’s euch an Brüder! Die dicken Mauern, die hohen Türme! Wenn wir erst einmal oben sind, dieser Tag ist ein Genuss“, so sprach der Diederich.
„Wenn wir nicht diesen Ochsen ziehen müssten, eine Plagerei, sag‘ ich, und wir kriegen nicht einen Bissen“, antwortete Theoderich.
Da schauten sie zum Wegesrand
Und sahen ein ritterlich‘ Gewand,
Nein, drei waren’s sogar an der Zahl,
Glänzten rot wie ein Signal.
„Was ist denn hier passiert? Schaut mal, da hinten, die Ritter baden in dem Weiher, und ihre Kleider liegen einfach hier!“, staunte der Friederich.
„Ach, meine Brüder, so eine Chance gibt es nur einmal im Leben! Bedient euch reichlich, denn die merken’s nicht, wenn wir als Ritter hoch zur Burg stürmen“, argumentierte da der Diederich, was sogleich entsetzte seinen jüngeren Bruder Friederich, genau wie den Theoderich.
Den Kopf im Helme eingeklemmt,
Kratzte Diederich das Kettenhemd,
Sie wollten stoppen seine Narretei,
Doch dem Ältesten der drei war dies‘ Vorsicht einerlei:
Ein Trupp des Fürsten zog vorbei!
, , Oh, eure verehrte Ritterschaft, Graf Kümmelot zu Würzenbach! Wir erkennen Euch an dem Wappen, das Ihr auf dem Helme tragt! Ihr reiset an aus Gittersalz, ist dem nicht etwa so?“, sprach der Anführer des Rittertrupps den Diederiche an.
, , Natürlich kommen wir von Gittersalz, natürlichst bin ich‘s, Würzenbach! Und selbstverfreilichst sind dies‘ beiden Brüder, ach, was sage ich, dies‘ beiden Knappen hier, meine zerlumpten Wegbegleiter!“, antwortete Diederich und die Lügerei begann.
Den Ochsen ließen die drei Brüder stehen,
Denn konnten sie sich nicht versehen,
Da standen sie im Speisesaal
Bei junger Fürstenfrau und ihrem Gemahl.
Schon den ganzen Sommerstage,
Saßen die bei einem Gelage,
Sie speisten in den hohen Hallen
Mit etwa hundertzehn Vasallen,
Es grölte, jodelte, es pfiff,
Bis der Fürst das Wort ergriff.
„Meine erlauchten Gäste, von den hohen Sternen des Himmelszelts ist dies‘ Delikatess‘ bestellt“, sprach der Fürst und zeigte gestisch auf einen Weißbrotlaib, doch niemand wusste darüber Bescheid, „bin ich nicht ein Krösuskerl?“, fragt‘ er in die Rund‘ hinein, als unsere Bauernritter reinplatzten, und der Fürst fuhr schließlich fort:
„Nun, welch‘ hoher plötzlicher Besuch! Welch‘ Kunde ist‘s, mein Rittersmann Graf Kümmelot zu Würzenbach, die Ihr aus Gittersalz herbringt?“
Das Wappen auf des Grafen Helm
Nützte auch hier dem Bauernschelm,
Er setzte nicht den Helme ab,
Und trieb weiter Schabernack.
„Mein Fürst! Ein Pferd braucht es in Gittersalz! Sofort und stande pede!“, erfand der Diederich sogleich, und der Fürst rief ihm zurück: „Gebt meinem ritterlichen Gast das schnellste Pferd, was wir im Stalle haben! Er solle Gittersalz noch vor Sonnenuntergang erreichen! Sieglinde, Wilhelm, Kunibert, wir begeben uns nach draußen, um dem Graf zu Würzenbach Lebwohl zu sagen!“
Dies‘ Entschluss, er war fatal
Diederich blieb keine Wahl,
Er versucht‘, nix abzustreiten,
So zu tun, als könnt‘ er reiten.
Zum Verhängnis wurd‘ ihm sein Gebrabbel,
Er fiel neunmal aus dem Sattel!
Denn das Pferd ist doch gescheiter,
Es erkennt nur wahre Reiter.
„Du musst eine böse Beule unterm Helme haben, mein Freund und Graf zu Würzenbach! Bist doch sonst ein stolzer Rittmeister!“, rief ihm der Fürst verwundert zu, „Wenn du dich nun noch weiter quälst, so ruf‘ ich dir den Medicus!“
Der jüngste, der Theoderich,
War derjenige der drei schließlich,
Der hatte große Angst itzund,
Ihm wurd‘ dies‘ Narrenspiel zu bunt.
„Er ist doch gar kein Ritter!“, brüllte Theoderich heraus, „genauso wenig, wie mein Bruder sowie ich eines Grafen Knappen sind! Wir als arme Bauersleut‘ wollten nur ein einzig‘ Mal das hohe Leben mit den eigenen Augen sehen.“, und ergänzte, ziemlich feig‘, „der Diederich, der ganz besonders!“
„Oh, ihr unritterlich‘ Kreaturen, ihr unsäglichen Geschöpfe!“, sprudelte es aus dem Fürst mit einem Schwall an wüsten Schimpfausdrücken, die zu nennen es nicht wert, und er schrie die Seinen an: „In Ketten ihn, den Bauersmann!“
Zwei Wachen zückten ihre Speere,
Brachten den Brüdern die Misere.
Da hatte Friederich eine Idee,
Er schlich zurück zu dem Dîner,
Trug das Weißbrot durch das Tor,
Zeigte es dem Fürsten vor.
„Noch so ein dummer Bauersmann“, fuhr dieser ihn spöttisch an, „der nicht einmal klauen kann!“
Und die Wachmannschaft umzingelte den falschen Knappen Friederich, den Dieb, obwohl?
Ach Nein! Denn Friederich, er sprach sogleich:
„Mein Fürst, ihr wisst sehr wohl, wir sind nicht ritterlich, und unser heutiges Verhalten hat dies leider nur bestätigt. Uns oblieget das Verkleiden und das Reiten sowieso nicht, aber ist uns Diebstahl zuzutrauen, wollen wir Euch wahrlich beklauen?“
„Oh du dummer Bauersmann, sprich nicht in Rätseln zu deinem Fürst, gestehe deine Schuld und gebe mir zurück mein himmlisches Objekt!“
Doch Friederich, er blieb beharrlich: „So sind wir auch nicht ritterlich, so wollen wir dennoch, oh mein Fürst, zeigen, dass wir dumm nicht sind.“
„ihr seid nicht dumm? Dass ich nicht lache!“
„Wir können es Ihrer Majestät beweisen.“
So er nach dem Schlossbäcker rief,
Und mutig vor die Menge lief,
Den er allen sodann erklärte,
Was man ins Weißbrot damals mehrte.
Hefe, Wasser, Mehl aus Weizen,
Der, um dies nun auszureizen,
Natürlich von dem Felde kam,
Wo die drei Brüder, mühsam, lahm,
Tag für Tag das Korn verdroschen,
Ohne Taler, ohne Groschen,
Doch durchaus mit festem Wissen
Dass nicht die Götter
Brot vom Himmel schmissen.
„Wer ist nun dumm?“, fragte der Friederich, und entsetzt blickten zu ihm Theoderich und Diederich.
Da fühlte sich der Fürst ganz klein,
Und sperrte sie nun doch nicht ein,
Entließ sie wortlos aus dem Saal,
Dies‘ Frag‘ war ihm genug der Qual.
Erleichtert liefen sie davon,
Friederich hatte doch gewonnen!
Statt ihre Arbeit zu verrichten,
Begannen sie, nun aufzudichten,
Was sie als Rittersleut‘ erlebten,
Und wie sie sich widerstrebten,
Gegen jene feine Menschenskind‘
Die glaubten, dass sie schlauer sind.
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