Mein Körper, nicht meiner
Ich steige aus der Dusche. Mein Körper ist noch nass, vereinzelte Tropfen laufen über meine Schultern und sammeln sich an meinen Fingerspitzen. Meine rechte Hand erstarrt inmitten der Bewegung, nach dem Handtuch zu greifen.
Im Spiegel ist mein Gesicht zu sehen.
Oder zumindest das, was ich dafür halte.
Die Spiegeloberfläche ist vom warmen Dampf leicht angelaufen. Mein Spiegelbild erscheint verschwommen, als würde es hinter einer dünnen Schicht Wasser liegen. Ich trete einen Schritt näher. Ohne es wirklich zu bemerken, beginne ich, mein eigenes Gesicht zu betrachten.
Meine linke Hand erhebt sich.
Langsam legen sich meine Finger auf meine linke Wange.
Die Haut fühlt sich warm an. Weich. Fremd.
Ich bewege meine Fingerspitzen vorsichtig über mein Gesicht, als würde ich die Konturen eines unbekannten Gegenstandes ertasten. Von meiner Wange gleiten sie über den Nasenrücken bis hinüber zur anderen Seite. Dann wandern sie weiter zu meinem Kinn.
Ich sehe dabei nicht meine Hand an.
Ich sehe nur den Spiegel.
Das Gesicht dort tut genau dasselbe wie ich.
Es bewegt sich, als ich mich bewege. Es atmet, wenn ich atme. Und trotzdem kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht nicht mein Gesicht ist, das ich dort betrachte.
Für einen Moment fühlt sich mein Körper so an, als würde er nicht mehr ganz zu mir gehören.
Ich spüre meine Finger auf meiner Haut, aber gleichzeitig spüre ich sie nicht. Es ist, als würde die Berührung irgendwo zwischen meiner Hand und meinem Gesicht verschwinden. Als würde sie mich nicht erreichen.
Alles um mich herum wird still.
Ich denke an nichts.
Oder vielleicht denke ich an zu viel.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort schon stehe. Das Wasser auf meiner Haut wird kälter, doch auch das nehme ich nur am Rande wahr. Der Spiegel scheint näher zu kommen, obwohl ich mich nicht bewege.
Ich sehe mir selbst in die Augen.
Und plötzlich frage ich mich, wer von uns beiden eigentlich gerade dort steht.
Bin ich überhaupt echt?
Bin ich wirklich hier, in diesem Badezimmer, mit nassen Haaren und kalter Haut? Spüre ich wirklich mein Gesicht unter meinen Fingern? Oder ist da nur die Vorstellung davon, mein Gesicht zu berühren?
Meine Finger bewegen sich weiter über meine Wange.
Bin ich es, die mein Gesicht berührt?
Oder ist es nur mein Körper, der sich bewegt, während ich irgendwo dahinter sitze und zusehe?
Ich suche in meinem Spiegelbild nach einer Antwort.
Doch mein Gesicht sieht mich nur an.
Still.
Fremd.
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