Tief gefangen in den Fängen
Tief gefangen in den Fängen,
Schleicht ein Schatten durch die Längen,
Streift mit zarten Fingerlein,
Mit Acht und Angst über kalten Stein.
Die Furcht zu sehen, zu erkennen,
Wovor es sich nicht lohnt zu rennen.
Es holt ihn ein, welch Schmach, welch Graus,
Die Brise weht durchs dunkle Haus,
Welches sich erstreckt über den Hügel und wartet
Bis eines Kindes Weg entartet,
Sich nicht mehr findet,
und sich windet.
Tief gefangen in den Fängen,
Bleibt es nun im Dornbusch hängen.
Ein Busch mit Klauen,
Die danach schauen,
Welch herzhaft Kind und dessen Geist,
er heut verspeist.
Es knackt, es ist bewegt,
Wenn das Kind sich sanft legt,
In den groben Stoffen,
Man kann nur mehr hoffen,
Dass es jemand findet und sieht,
Welch grausam Unheil gleich geschieht.
Tief gefangen in den Fängen,
Lauscht das Dorf den rauen Klängen.
Das Holz zerbricht und knackt und knickt,
Bis schließlich ein Bote wird geschickt.
Der kühne Retter soll es finden,
Nahe liegt es bei den Linden,
Zitternd, schmerzend, fürchterlich,
Was kann man da noch tun, so sprich!
Der Erlöser ist am Wege,
Halte durch und sei recht rege!
Wallend weht sein Haar im Winde,
Reitet schnell zum armen Kinde.
Tief gefangen in den Fängen,
Licht erlischt in allen Gängen.
Kerzenduft schleicht um die Wangen,
Muss es noch ein wenig bangen.
Doch da ist er, bald schon da,
Sausend fliegt sein kurzes Haar.
Über Felder, über Mauern,
Muss das Kind noch lange kauern?
Der Weg ist lang und weit und still,
Doch wenn das Kind nicht sterben will,
Dann muss die Rettung sich beeilen,
Um vor der Dämm'rung es zu heilen.
Tief gefangen in den Fängen,
Lauscht das Dorf nun den Gesängen.
Der des Uhu, der der Nacht,
Dass ein jeder immer wacht.
Währenddessen in den Spitzen,
Will das Kind nicht länger sitzen,
Macht die Augen auf und sieht,
Was mit ihm jetzt gleich bald geschieht.
Drüben bei dem großen Tor,
Steigt ein Schatten groß empor.
Schleicht bis zu des Turmes Fuß,
Die Nacht verschmilzt im sanften Kuss.
Tief gefangen in den Fängen,
Sitz es auf den hohen Rängen.
Wartet bis der Retter naht,
Wartet bis zur richt'gen Saat.
Nun ist er da und sieht es an,
Der Helfer macht sich freie Bahn.
Läuft mit salz'gen Tränen und Reue,
Bis er sieht des Monsters Treue.
Krallen lang wie Messer scharf,
Nun der Mann sich vor es warf.
Bettelt, winselt, schreit ganz stumm,
Raben sind sein Publikum.
Tief gefangen in den Fängen,
Sieht sein Schicksal nun in Mengen.
Sieht es in des Glases Wahrheit,
Sieht es in des Unheils Schönheit.
Sieht welch Monster sich verbirgt,
Sieht wie er sich fast erwürgt.
Sieht das Kind im Kleid des Mannes,
Sieht sich in des Monsters Bannes.
Sieht sich selbst allein und roh,
Sieht wie er vor seiner floh.
Sieht es rau und wahr und wild,
Sieht es in dem Spiegelbild.
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